Teil 3 unserer Serie über Leben und Sterben des Märchenkönigs trägt den Titel „Das tropische Paradies des Märchenkönigs“.

Ein Wunderwerk, welches heute leider nicht mehr existiert, befand sich einst auf dem Dach der Residenz in München. In einem gläsernen Pavillion tummelten sich auf 1.300 qm exotische Pflanzen, Bananenstauden, Bambus, bunte Orchideen, Palmen und Kakteen. Ein kleiner Bach stürzte sich über Kaskaden künstliche Tropfsteingrotte und speiste einen künstlichen, beheizten See mit Goldfischen. Dessen Wasser wurde von unten mit elektrischem Licht beleuchtet, somit war es sogar möglich einen Sturm oder zarte Morgenröte vorzutäuschen. Gewundene Wege mit Brücken und ein indisches Fürstenzelt sorgten für eine „Dschungelatmosphäre“ inmitten der Stadt. Ein Riesenpanorama des Himalaja-Massivs, hinter dessen Gipfeln bei Sonnenaufgang die Theatinerkirche hervorstrahlt, entführten den König einmal mehr in eine fremde Welt – fernab der Realität!

Des Königs Vogel

Der König hasste München. Sein tropischer Wintergarten, in dem er sich einer gigantischen Illusion einer unberührten Natur inmitten der Stadt hingab, bot ihm Schutz und Zuflucht vor der grauen Realität. Mit Menschen wollte der König wenig reden, sein Papagei der auf einem goldenen Reif zwischen den exotischen Pflanzen schaukelte erhielt hingegen mehr Aufmerksamkeit. Dieser begrüsst den König mit einem krächzenden „Guten Abend“ – egal zu welcher Tageszeit. Da er auch das Lachen des Königs täuschend echt nachmachen konnte ist es naheliegend, dass der König sich mit seinem Papagei wohl mehr amüsiert hat als mit einem anderen Menschen.