In einer neuen Serien beleuchten wir das Leben und Sterben des Märchenkönigs, der in der Gegend um den Starnberger See vielfältige Spuren hinterlassen hat. Teil 1 dreht sich um die traurige Kindheit Ludwigs II.

Am 25.08.1845 erblickte der kleine Prinz im Schloss Nymphenburg das Licht der Welt. Wie in Herrscherhäusern damals üblich wurde das Kind nicht von der eigenen Mutter gestillt sondern von einer Amme. Diese verstarb bald darauf und der junge Prinz verlor seine Bezugsperson, er musste sofort abgestillt werden, der Schock über den Verlust machte sich bald bemerkbar. Er verfiel von Woche zu Woche, bekam heftiges Fieber und sein Leibarzt befürchtete das Schlimmste, nur langsam kam er wieder zu Kräften. Als Kind wurde er zur Mässigkeit erzogen und erhielt nur sehr kleine Essensrationen, aus Mitleid bekam er von seiner Zimmermagd heimlich Reste derer eigenen Mahlzeit. Das strenge Sprechverbot mit Bürgerlichen mag wohl ein Grund seiner späteren Menschen-Scheue sein. Vom Vater oft verprügelt, von der Mutter gemieden – das Wort „Liebe“ wurde aus dem Wortschatz gestrichen. Der Schriftsteller Paul Heyse durfte der königlichen Familie nur Texte vorlesen, in denen das Wort „Liebe“ durch „Freundschaft“ ersetzt wurde. Wie wäre das Leben des Märchenkönigs wohl verlaufen, wenn er mit mehr Wärme und Fürsorge aufgewachsen wäre?